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Kulturelle Bildung trifft Medienkompetenz: Jugendliche entdecken ihre Stadt neu

Wie verändert sich unser Blick auf die Stadt, wenn wir sie nicht nur betrachten, sondern kreativ interpretieren? Dieser Frage widmete sich der Workshop „Stadt im Austausch – Expressionistische Spiegelwelten“, den die Initiative Design-Campus in Kooperation mit der Stadtbibliothek Mönchengladbach durchgeführt hat.

Ausgangspunkt des Projekts waren die Werke bedeutender Expressionist*innen wie Paul Klee, August Macke, Robert Delaunay und Ernst Ludwig Kirchner. Die Jugendlichen setzten sich dabei mit der Frage auseinander, wie Kunst Wirklichkeit nicht einfach abbildet, sondern persönliche Eindrücke, Gefühle und Perspektiven sichtbar macht.

Im Rahmen einer fotografischen Entdeckungstour rund um die Zentralbibliothek suchten die Teilnehmenden nach Spiegelungen in Glasfassaden, besonderen Lichtstimmungen und ungewöhnlichen Perspektiven. Mit Digitalkameras und Smartphones hielten sie ihre Beobachtungen fest und lernten dabei, ihre Umgebung bewusst wahrzunehmen und fotografisch zu dokumentieren.

Anschließend wurden die digitalen Aufnahmen in analoge Kunstwerke übersetzt. Mit Aquarellfarben, Gouache, Pastellkreiden und weiteren Gestaltungsmaterialien entstanden individuelle Bildwelten zwischen Realität und Fantasie. Dabei stand nicht die perfekte Umsetzung im Vordergrund, sondern das kreative Experimentieren mit Formen, Farben und Ausdrucksmöglichkeiten.

Der Workshop zeigte, wie kulturelle Bildung und Medienkompetenz miteinander verbunden werden können. Die Jugendlichen erfuhren, wie digitale Medien als Werkzeug zur kreativen Auseinandersetzung mit ihrer Lebenswelt genutzt werden können. Gleichzeitig lernten sie, Bilder nicht nur zu konsumieren, sondern bewusst zu gestalten, zu reflektieren und als Ausdruck eigener Wahrnehmungen einzusetzen.

Besonders wertvoll war die offene Arbeitsatmosphäre: Es gab kein „richtig“ oder „falsch“, sondern Raum für eigene Ideen, Perspektivwechsel und kreative Entscheidungen. Viele Teilnehmende entwickelten ihre Werke mehrfach weiter, experimentierten mit neuen Ansätzen und entdeckten dabei neue kreative Fähigkeiten.

Das Projekt machte deutlich, dass kulturelle Bildung weit mehr ist als die Vermittlung künstlerischer Techniken. Sie stärkt Wahrnehmung, Ausdrucksfähigkeit, Selbstvertrauen und die Bereitschaft, neue Wege auszuprobieren. Medienkompetenz wird dabei nicht als technische Fertigkeit verstanden, sondern als Fähigkeit, die eigene Umwelt kritisch, kreativ und reflektiert wahrzunehmen und mitzugestalten.

Begleitet wurde der Workshop von jungen Redakteur*innen des Jugendmagazins Standpunkt. Die entstandenen Erfahrungen bilden zugleich die Grundlage für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema Expressionismus beim Besuch des Ballettabends „MG tanzt – Getanzte Bilder“ im Theater Mönchengladbach, bei dem künstlerische Ausdrucksformen in Bewegung, Musik und Tanz übersetzt werden.

Die Teilnehmenden haben sich eine Fortsetzung nach den Sommerferien gewünscht. Dann geht es auch in die Vorbereitung der Ausstellung im Rahmen des Parc/our Wochendende am 19. und 20. September in Mönchengladbach. Dann sind die Kunstwerke in der Zentralbibliothek ausgestellt.

Mit Projekten wie „Stadt im Austausch“ schafft der Design-Campus Räume, in denen junge Menschen Kultur aktiv erleben, Medien kreativ nutzen und ihre eigene Sicht auf die Welt entwickeln können. Alles wichtige Kompetenzen für gesellschaftliche Teilhabe in einer zunehmend von Bildern und Medien geprägten Welt.

Stimmen der Teilnehmenden

Besonders eindrucksvoll wurde die Wirkung des Workshops in den Rückmeldungen der Jugendlichen selbst. Ihre Aussagen zeigen, wie schnell aus anfänglicher Zurückhaltung Neugier, Experimentierfreude und kreatives Selbstvertrauen entstanden:

„Expressionismus heißt halt, dass man nicht malt, wie es wirklich aussieht, sondern wie es sich anfühlt. Also eher die Stimmung so im Bild.“

„Eigentlich ist das hier einfach Kunst. Also abstrakte Kunst. Und man probiert halt Sachen aus, ohne vorher genau zu wissen, wie es am Ende aussieht.“

„Das Beste ist gerade, dass wir einfach frei malen können. Einfach anfangen, nicht so lange überlegen, sondern direkt los.“

„Ich hätte echt nicht gedacht, dass wir so frei arbeiten dürfen. Das ist ganz anders als in der Schule – und irgendwie viel entspannter.“

„Ich dachte erst, wir machen viel mit dem Handy. Aber am Ende ist es viel mehr richtiges Malen und Kreativsein. Und das ist eigentlich voll gut so.“

„Wenn ein Bild nicht klappt, ist es auch egal. Dann macht man halt einfach ein neues.“

„Hier gibt’s halt kein richtig oder falsch. Jeder macht sein eigenes Ding, und trotzdem wird alles irgendwie cool.“

„Ich finde es gut, dass man nicht bewertet wird. Man muss hier niemandem gefallen oder irgendeine Note kriegen.“

„Am Ende geht’s nicht nur darum, was man sieht, sondern auch darum, was man fühlt. Das nimmt man echt mit.“

„Und irgendwie macht genau das richtig Lust, noch mehr auszuprobieren.“

Eine Teilnehmerin brachte die zentrale Erkenntnis des Tages besonders treffend auf den Punkt:

„Dass man bei Bildern nicht nur malen soll, was man sieht, sondern auch das, was man fühlt.“