Seine Kunst hebt ab – Hockney schickt seine Bilder in den Himmel
David Hockney ist so ziemlich der Beweis dafür, dass Malerei nicht staubig sein muss – und dass ein 1937 geborener Künstler aus Bradford immer noch mehr Freshness an den Tag legen kann als mancher Kunst-Influencer auf TikTok. Hockney mischte schon als junger Künstler Klassikwissen mit Farbenmut und einer Experimentierfreude, die ständig auf Anschlag steht. Während andere noch darüber diskutierten, ob Pop-Art jetzt „Kunst“ ist, war Hockney längst kopfüber in die kalifornischen Swimmingpools gesprungen – und hat damit ein ganzes Genre ikonisch gemacht.

Sein berühmtes „A Bigger Splash“ ist dafür das beste Beispiel: ein Pool, ein Spritzer, aber kein Mensch – nur der eingefrorene Moment eines Eintauchens in der kalifornischen Mittagssonne. Klingt simpel, wirkt aber wie ein Sonnenbrand fürs Auge: hell, klar, direkt. Genau das macht Hockney aus. Er weiß, wie man Licht einfängt, wie Farben sich verhalten und wie man Perspektiven so verdreht, dass sie nicht nerven, sondern neugierig machen.
Und weil Stillstand nicht sein Ding ist, malt Hockney heute längst nicht mehr nur mit Pinsel und Farbe. Er kritzelt auf iPads, komponiert digitale Landschaften in der Normandie, baut Perspektivräume aus mehreren Blickpunkten und lässt klassische und digitale Medien ineinanderfließen, als wäre das die normalste Sache der Welt. Bei Hockney trifft britische Landschaft auf kalifornisches Licht, klassische Maltechnik auf moderne Screens, und seine Werke sagen eigentlich immer: „Ich kann’s traditionell, aber warum sollte ich?“
Seine große Retrospektive „David Hockney 25“ in Paris zeigt gerade eindrucksvoll, wie weit diese Haltung reicht: über 400 Werke aus mehr als sieben Jahrzehnten, von Ölmalerei über Zeichnungen bis hin zu iPad-Skizzen und Videoinstallationen. Als würde er sagen: „Ich war überall – und ich werde noch weitergehen.“ Und das tut er auch. In seinen neuesten Arbeiten bricht er die klassische Zentralperspektive einfach auf, setzt mehrere Fluchtpunkte aneinander und stellt damit unsere Sehgewohnheiten komplett auf den Kopf. Letztes Jahr hat er sogar 600 Drohnen in den Himmel über Bradford geschickt, die seine Bilder als gigantische Lichtinstallationen nachzeichneten – ein Hockney’sches Statement der Extraklasse: Kunst ist nur dann alt, wenn man sie alt lässt.
Das zieht sich auch durch seine Persönlichkeit. Hockney hat nie ein Geheimnis aus sich gemacht – weder aus seiner Offenheit über Beziehungen noch aus seinem Blick auf die Welt. In Doppelpaar-Porträts, Selbstbildnissen und Serien über Freunde wird klar: Für ihn ist Kunst ein Ort, an dem Wahrnehmung und Identität genauso wichtig sind wie Farbe und Linie. Und dabei bleibt er radikal zugänglich. Seine Bilder wirken nicht elitär, sondern so, als würde Kunst einfach wieder Lust machen dürfen.
Für Medien- und Kunstinteressierte ist Hockney deshalb kein nostalgisches Pop-Relikt, sondern eher eine Art lebender Reminder, dass man das Sehen immer wieder neu erfinden darf. Er zeigt, dass Technik nicht die Konkurrenz, sondern die Erweiterung von Kreativität ist – ein Werkzeug, das reizt, herausfordert und Spaß macht. Wer heute gestaltet, filmt, zeichnet oder postet, kann sich von ihm einiges abschauen: Perspektiven wechseln, Medien mischen, Experimente wagen – und vor allem neugierig bleiben. Bei ihm findet ihr einen starken Impuls: Mach’s gut aber mach’s anders.
Wenn du Hockney tiefer erkunden willst, findest du seine Arbeiten weltweit in großen Museen – von New York bis Berlin – oder in der David Hockney Foundation, die eine Fülle an Material über sein Werk sammelt. Nur ein Warnhinweis: Je länger du dich mit Hockney beschäftigst, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass du plötzlich selbst Lust bekommst, mit mehr Farbe, mehr Mut oder einfach einem iPad loszulegen.
Hier ein paar seriöse Anlaufstellen und Museen, die Werke von ihm in ihren Sammlungen haben oder darüber berichten:
- The David Hockney Foundation – bietet eine Liste öffentlicher Sammlungen mit Hockney-Werken und weiterführende Ressourcen.
- Museum of Modern Art (MoMA), New York – zeigt Hockney-Werke in der Sammlung.
- Smithsonian American Art Museum – listet Hockney als Künstler mit Arbeiten in der Sammlung.
- Staatliche Museen zu Berlin – präsentierte Ausstellung „Hockney – Landscapes in Dialogue“ mit Werken Hockneys.